Marc Goodman: „Der Mensch ist die größte Schwachstelle“

Im Gespräch mit dem Cybersecurity-Experten der USA

Expertentreffen in Deutschland

Ende März traf ich Marc Goodman, Cybersecurity-Experte Nr. 1 aus den USA. Der jahrelange Mitarbeiter des FBI, Autor und strategische Berater warnt sehr anschaulich  vor den Gefahren der  Cyber-Kriminalität weltweit. Er berät CIOs, Politiker und tauscht sich mit Security-Experten weltweit aus. Seine Praxiserfahrung ist enorm.

Es gibt so gut wie kein Szenario, das er nicht kennt. Marc Goodman war auf Einladung der Finanz Informatik Technologie Services GmbH in Deutschland und hielt in München einen Vortrag. Inhalt war die aktuelle, weltweite Bedrohungslage zum Thema Cybercrime. Und ein sehr interessanter Einblick in die Aktivitäten der „bad guys“. Dabei zeigte er die Szenarien, die uns von „Hackerseite“ aus in Zukunft erwarten. Ich muss sagen, das hat sogar mich ernüchtert. Die von Goodman beschriebenen Praktiken würden den meisten Zuhörenden sprachlos machen.

Ein Beispiel: Ein Hacker beschafft sich über eine „Crowdfunding“-Kampagne das notwendige Kapital, um die Verteilung seiner programmierten Malware zu finanzieren. Dabei spielt es keine Rolle, wo genau der Server für diese Kampagne steht. Ebensowenig, von welchem Ort aus der Hacker zugreift. Ein raffiniertes und ausgeklügeltes Geschäftsmodell, mit dem Staaten, Konzerne, Unternehmen weltweit erpresst werden können. Das jüngste Beispiel „Wannacry“ zeigt anschaulich, wie so etwas funktioniert.

Hacker sind meist einen Schritt voraus

Die größte Herausforderung von Organisationen wie FBI, Cyberabwehrteams oder Polizei, die digitale Verbrechen bekämpfen, besteht darin, Cyberkriminelle über Landesgrenzen hinweg zu verfolgen. Dabei geht es darum, gesellschaftlich relevante, zentrale Versorgungssysteme wie Wasser, Strom, Gas, produzierende Industrie (Auto, Bahn, Flugzeug und Co.), Banken, Versicherungen zu schützen. Diese Kooperation länderübergreifend sicherzustellen, ist eine der größten Herausforderungen für die Organe der öffentlichen Sicherheit. Diese sind, nach heutigem Stand, eher hierarchisch organisiert und arbeiten vorwiegend linear. „Hacker“ orientieren sich eher an Communities, arbeiten virtuell und collaborativ zusammen. Sie kommunizieren direkt über Chats und sind dadurch in ihrem Handeln wesentlich schneller. Zeit, Raum und Entfernung spielen keine Rolle mehr.

Tipp von Marc Goodman: Achtsam sein!

Marc Goodman sieht es als seine Aufgabe, über die Zukunft und Bedeutung von Cybercrime für die USA und andere westliche Länder zu informieren. Er sorgt für Vernetzung und bringt Experten weltweit zusammen.

Welche Rolle spielt der Mensch in diesem Szenario? „The human factor is the weakest link!“, meint Marc Goodman trocken. Das stimmt – zum Teil. Nur allzu oft ist menschlich sorgloses Verhalten die Ursache bzw. der Türöffner für Cyberangriffe. Und liegt darin nicht zugleich die Chance bzw. die Lösung? Den Mensch durch Information und Aufklärung, so wie sie Marc Goodman betreibt, zum stärksten Faktor zu machen? Die Nummer 1 der Cybersecurity-Experten aus den USA nickt nachdenklich …

Auf meine Frage, was wir als normale Internet-Nutzende sonst noch präventiv tun können, um uns zu schützen, antwortete Marc Goodman: „Be aware!“ „Sei aufmerksam!“

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Nachfolgend der Link zum aktuellen Buch von Marc Goodman:

http://www.futurecrimesbook.com/

 

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