Cyberwomen Kongress 2019

Nachdem ich in diesem Jahr zweimal auf „normalen“ Cyber Security Kongressen oder Veranstaltungen war, habe ich am 25. Juni 2019 den ersten Cyberwomen Kongress besucht. „Normale“ Cyber Security Veranstaltungen bedeutet 90% Männer in Anzügen, Vorträge und Diskussionen – vorrangig über Technik, Tools und Produkte die neu am Markt sind – und jede Menge Langeweile..

Diese Art von Veranstaltungen sind hilfreich (für Manager die weniger KnowHow haben oder sich über Produkt Entwicklungen/Roadmaps informieren wollen), aber leider auch immer etwas einseitig und langweilig. Das erste Jahr ohne CEBIT führt meiner Wahrnehmung nach zu einem Umdenken der Veranstalter. Die Kongresse mit den Vortragenden in Anzug/Krawatte, die alle ihre Folien durchklicken und am Ende fragen, ob noch jemand eine Frage hat – werden weniger. Es gibt Hausmessen und Webinare von vielen Technik Herstellern, dort kann ich mich über neue Produkte informieren.  Und die Formate werden interaktiver. Ist das beim Cyberwomen Kongress 2019 genauso? Ich habs mir angeschaut. 

Ein Cyberwomen Kongress 2019 – echt jetzt?

Ehrlich gesagt – leider ja. Siehe oben. Ich weiss nicht wie oft ich in Feedback Bögen von Kongressen eingetragen habe, dass ich mir mehr interaktive Formate bei einem Kongress wünsche. Dass ich mehr kleine Gruppen bevorzugen würde, um Technik Fragen gezielter und tiefer zu diskutieren. Und wie wenig über Kommunikation, Team Zusammensetzung und Mindset gesprochen wird. Die Unternehmen treiben andere Themen um – so ist jedenfalls meine Erfahrung. Nämlich Personalmangel, Aus-  und Weiterbildung zu Cyber Security,  und mehr Effektivität (und Effizienz) in der operativen Umsetzung. Gezielter Technikeinsatz und genauerer Analysen wie diese in die eigenen Landschaft passen bedeutet auch, dass Security Architektur sich weiterentwickelt. Eine neue moderne Führung und andere Methoden in Leadership und Management sorgen für Erfolge. Unterschiedliche Perspektiven zusammen zu bringen ist wichtig. Und das sind Dinge die Frauen in der Technik wichtiger sind als Männern. 

a fool with a tool – is still a fool!

Die Tendenz, dass IT-Manager*innen den Einsatz von Technik als DIE Lösung ansehen, geht zurück. Viele erfahrene Manager*innen haben erkannt, dass die Technik alleine kein einziges Problem löst. Der erste Schritt ist immer das Bewusstsein, welches Problem zur Lösung ansteht. Frauen fragen mehr nach dem Sinn des Technik Einsatzes und bevorzugen eine ganzheitliche Sicht der Dinge. Diese Vorgehensweise setzt sich langsam durch. Bevor wir uns mit dem Technikeinsatz beschäftigen, suchen wir eine holistische Lösung. Wir berücksichtigen die Prozesse, die Organisation, das Team, die Kommunikation und erst dann kommt die Technik ins Spiel. Ein kluger Mann hat mal gesagt: „a fool with a tool is still a fool“ – und ich kann dem nur zustimmen. Wissen und die Klarheit über die Zusammenhänge von IT-Systemen im Unternehmen bringen uns wesentlich weiter, als reine Technik Verliebtheit. Sorry – das ist in der Mehrheit eine „Männer-Denke“. Deshalb – 

ein Kongress – live und in Farbe

Die Begrüssung ist freundlich, der Kaffee lecker und gleich am Eingang treffe ich eine ehemalige Kollegin. Eine gute Gelegenheit sich mal wieder auszutauschen. Es geht pünktlich los. Der Moderator ist einer der wenigen männlichen Teilnehmenden. 210 Frauen die in den Themenfeldern rund um Cyber Security arbeiten – sehr beeindruckend. In unterschiedlichen Panel Diskussionen erfahren wir neues zu Frauenkarrieren in Cyber und Technik, Nachwuchs Gewinnung und Ausbildung und viel über Lebensläufe – wie Frauen in diese Berufe gekommen sind. Am Nachmittag gibt es zwei Technik Schwerpunkte. Dabei wird sichtbar, wie fit viele Frauen in den Technikthemen sind. In den Pausen findet Austausch und Netzwerken statt. Und leckeres Essen gibt es auch.

Was ist anders?

Die Interaktion’s Möglichkeiten. Zur Begrüßung wird die Bayrische Digitalministerin Judith Gerlach per Videobotschaft präsentiert. Dann geht es los mit den Panel Diskussionen. Es besteht die Möglichkeit direkt Fragen zu stellen und ein echter Austausch findet statt. Die Panel Teilnehmerinnen fragen die Frauen im Publikum – was ist für euch wichtig? Wie erlebt ihr das? Das führte dazu, dass unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen weiter gegeben werden. Besonders interessant fand ich den Vortrag einer jungen Frau, die Hauptmann bei der Bundeswehr ist und von ihren Erfahrungen dort berichtet hat. Und eine Kollegin, die in der Forensik arbeitet. Die vielen jungen Frauen, die da waren sind sehr gut qualifiziert (Studium, Dr. Titel) und sehr engagiert und kompetent. Die älteren Frauen verfügen über sehr viel Erfahrungen in der Praxis und in Unternehmen. Das war eine gute Mischung und machte den Austausch sehr wertvoll. 

Und ich freue mich sehr, dass es im nächsten Jahr wieder ein Event dieser Art geben wird. Es lohnt sich und ich werde gerne wieder dabei sein!

Link zur Veranstaltung Cyberwomen 2019

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